16,3 Millionen Menschen musizieren in Deutschland in ihrer Freizeit. Ob im Orchester, im Chor, in Ensembles, Musikschulen oder -vereinen – über 100.000 Ensembles der Amateurmusik schaffen wöchentlich gelebte Gemeinschaft, stiften generationenübergreifende Identität und tragen maßgeblich zur Lebensqualität im ländlichen sowie städtischen Raum bei. Um dieses unverzichtbare Fundament zu sichern, haben der Bundesmusikverband Chor & Orchester (BMCO) und seine Mitgliedsverbände – darunter auch der Deutsche Harmonika-Verband e. V. (DHV) – einen dringenden gemeinsamen Appell an den Deutschen Bundestag gerichtet.
Kürzungspläne bedrohen die geschaffene Stabilität
Hintergrund des Appells ist der aktuelle Regierungsentwurf für den Bundeshaushalt 2027: Während der Amateurmusikfonds in den Jahren 2025 und 2026 als einer der acht Bundeskulturfonds mit jeweils 4,6 Millionen Euro ausgestattet war, sieht der Entwurf für 2027 eine Absenkung auf 3 Millionen Euro vor. Das entspricht einer drastischen Kürzung um 1,6 Millionen Euro bzw. rund 35 Prozent. Eine solche Maßnahme würde die im Koalitionsvertrag vereinbarte Konsolidierung und verlässliche Stabilisierung der Amateurmusik bereits nach einem Jahr wieder zunichtemachen.
Hohe Nachfrage: Nur 30 Prozent der Projekte bisher förderfähig
Dass der Förderbedarf in der Szene gewaltig ist, belegen die Zahlen der ersten drei Ausschreibungsrunden:
2.100 Anträge gingen bundesweit ein.
25,89 Millionen Euro Fördervolumen wurden angefragt.
644 Projekte konnten bisher bewilligt werden – das entspricht lediglich 30 Prozent der eingereichten Initiativen.
Der Fonds finanziert dabei keine bürokratischen Apparate, sondern wirkt direkt an der Basis: Er aktiviert Vereine, ermöglicht Modellprojekte zur Nachwuchsgewinnung, treibt Kooperationen voran und stößt nachhaltige Organisationsentwicklungen an. Jeder investierte Euro wird durch das enorme ehrenamtliche Engagement und lokale Eigenmittel vor Ort um ein Vielfaches gehebelt.
Gemeinsamer Appell an die Politik
In ihrer gemeinsamen Erklärung betonen die Verbände:
„Wir appellieren an die Mitglieder des Deutschen Bundestags und besonders an die Regierungsfraktionen: Setzen Sie die vereinbarte Stabilisierung fort und heben Sie den Amateurmusikfonds im parlamentarischen Haushaltsverfahren für das Jahr 2027 wieder auf das für 2026 beschlossene Niveau von 4,6 Millionen Euro an.“
Es geht nicht um einen zusätzlichen Ausbau oder neue Programme, sondern um das Halten des Status quo. Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Spannungen verbindet die instrumentale und vokale Amateurmusik Menschen unterschiedlichster Generationen und Hintergründe. Wer die Amateurmusik kürzt, schwächt das Fundament des gesellschaftlichen Zusammenhalts.